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Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus

Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus

Zur Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus (24.06.-01.07.2020) hat sich das AmF an der #heutewieder Kampagne beteiligt. Für die Umsetzung konnten wir auf die umfangreichen Kampagnenmaterialien der CLAIM-Allianz zurückgreifen, die die Kampagne für das gesamte Netzwerk koordiniert hatte. Für #heutewieder wurden Bilder mit persönlichen Erfahrungsberichten von durch antimuslimischen Rassismus Betroffenen auf Social Media gepostet und geteilt. In den Bildunterschriften veröffentlichten wir Hintergrundinformationen und Statistiken, um die Brücke zwischen individuellen Erfahrungen und strukturellem Rassismus zu schlagen.

Unterstützt wurden wir bei der Durchführung vom Muslimischen Frauenbildungszentrum Mina e.V. (Duisburg), Muslima Empowerment Münster und dem Bildungs- und Familienzentrum Haus Vielinbusch (Bonn-Tannenbusch). Die Rückmeldungen in Form von Kommentaren und anderen Reaktionen war überwiegend positiv.

Die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt antimuslimischen Rassismus so: >>Unter dem Begriff des antimuslimischen Rassismus versammelt sich die Kritik an verschiedenen Strategien und Rhetoriken, die allesamt dadurch gekennzeichnet sind, dass sie auf Prozesse der Rassifizierung, also der Konstruktion als ‚Andere‘, aufbauen. Musliminnen und Muslime werden von ‚uns Deutschen‘ getrennt („Sie sind anders als wir“), homogenisiert („Sie sind alle gleich“) und ihnen werden wesenhafte (negative) Eigenschaften zugeschrieben („Sie sind ihrer Kultur und Religion nach einfach so“).
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Naima Niazy aus der AG Öffentlichkeitsarbeit teilt ihre Erfahrungen zur Woche. Sie hat die Veröffentlichung der Social Media Posts betreut und selbst an der Aktion teilgenommen:

Wie hat sich die Woche angefühlt?

Über persönliche Erfahrungen zu sprechen fühlt sich entblößend an – normalerweise ist eine gute Vertrauensbasis Voraussetzung, damit ich über rassistische Erlebnisse spreche, aber hier stelle ich mich mit einem Schild vor das ganze Internet. Entsprechend erleichternd fand ich es, dass die meisten Reaktionen positiv waren und dass ich an Kommentaren gemerkt habe, dass unsere Posts in anderen das Gefühl geweckt haben „Endlich sagt das mal jemand“. Zu sehen, dass wir mit Erlebnissen nicht allein sind, dass wir von fremden Menschen Zuspruch bekommen, hat etwas sehr Empowerndes.

Was war herausfordernd?

Durch die Aktivität auf Social Media hatte ich die ganze Woche keine Möglichkeit, dem Thema antimuslimischer Rassismus auszuweichen. Obwohl es im Zuge meiner Arbeit immer Thema ist, beschäftigen mich den Rest des Jahres mehr die Zahlen und Fakten und weniger die einzelnen Schicksale. Es ist auch einfacher, mal für ein, zwei Tage einen Schritt zurück zu machen und die Konsequenzen von Rassismus gezielt auszublenden. So positiv es ist, Trost zu bekommen, anderen zu Zuspruch zu spenden, mal laut sein zu können, so sehr geteiltes Leid halbes Leid ist – das Sprechen über (antimuslimischen) Rassismus hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Am Ende der Woche fühlte ich mich emotional erschöpft.

Was war besonders positiv?

Als sehr positiv empfunden habe ich, dass einzelne nicht-muslimische Personen und Organisationen sich gegen antimuslimischen Rassismus positioniert haben – klarer, als es aufgrund ihrer zivilgesellschaftlichen Rolle ‚erforderlich‘ ist. Gerade bei antimuslimischem Rassismus, der weit in die Mitte der Gesellschaft reicht, ist eine deutliche Positionierung nicht selbstverständlich – dass sie trotzdem passiert, gibt mir Hoffnung.

Und das Fazit?

In vielen Posts wurde klar, dass antimuslimischer Rassismus auch als muslimisch gelesene Nichtmuslime trifft, ebenso wie Rassismus als migrantisch gelesene Biodeutsche trifft. Das ist eigentlich logisch, weil wir für Rassisten ein homogener Muslim-Migrant-Ausländer-Einheitsbrei sind: Es ist ihnen gleichgültig ob sie uns aufgrund von (angenommener) Religion, Hautfarbe und/oder Ethnie abwerten. Durch #heutewieder ist mir die positive Seite davon noch einmal bewusst geworden: Wir können uns merkmalübergreifend solidarisieren und werden dadurch stärker.

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