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Vereinsvorstelleun BBK e.V.

Vereinsvorstelleun BBK e.V.

Zahra ist AmF Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende der Bildungs- und Beratungskarawane e.V. Im Interview spricht sie über aktuelle Projekte und bereichernde Erfahrungen.

Du bist die 1. Vorstandsvorsitzende der Bildungs- und Beratungskarawane e. V. aus Hamburg. Kannst du uns die BBK e. V. kurz vorstellen?

Die Bildungs- und Beratungskarawane e. V. ist ein gemeinnütziger Verein von Migrantinnen für Migrantinnen und ihre Kinder, der die Bildungs- und Sozialberatung seiner Klientel zum Ziel hat. Wir sind insgesamt 7 aktive Frauen, von denen 3 in einem Projekt hauptamtlich angestellt und der Rest ehrenamtlich tätig ist. Wir sind aus einer seit 2001 bestehenden Mütterinitiative entstanden und verwirklichen unsere Vereinsziele z. B. in Form eines regelmäßigen Info-Frühstückstreffs, bei denen Themen wie Frauengesundheit, das Hamburger Bildungssystem, Erziehungsthemen usw. behandelt werden. Ferner führen wir Reisen mit Mädchengruppen durch und bieten Soziale Gruppenarbeit mit Mädchen innerhalb und außerhalb von Flüchtlingsunterkünften im Bezirk Hamburg-Nord. Wir helfen Frauen mit einem ausländischen Schul- oder Berufsabschluss bei allen Fragen zu der Anerkennung ihres Abschlusses oder bei der Teilanerkennungen ihrer Qualifikationen, um ihre Anstellungschancen signifikant zu erhöhen.

Möchtest du uns einige eurer aktuellen Projekte vorstellen?

Eines unserer Herzensprojekte ist die Arbeit mit den „Teyzeler“: regelmäßige Ausflüge mit türkisstämmigen Rentnerinnen aus unserem Viertel, mit denen wir gemeinsam Hamburg entdecken. „AMINA – Arabische Migrantinnen in Anerkennung ist ein Projekt der Anerkennungsberatung für Frauen mit ausländischem Abschluss:  Die Bildungs- und Beratungskarawane e.V. ist seit 2013 ein Teilprojekt im IQ Netzwerk Hamburg und bietet Frauen mit ausländischen Abschlüssen Anerkennungsberatung an, um sie durch den Prozess der Anerkennung beratend zu begleiten.

Gab es nennenswerte Wendepunkte bei eurer Arbeit in den letzten Jahren?

Unsere Arbeit hat sich seit der Ankunft der geflüchteten Frauen und Mädchen 2015 entscheidend verändert: vorher bestand unsere Klientel in erster Linie aus den migrantischen Frauen unseres Viertels, die an unseren Angeboten teilnahmen und Sozialberatung in Anspruch nahmen, sind es seitdem insbesondere geflüchtete Frauen, die z. B. den Info-Frühstückstreff und „AMINA“ frequentieren. Das hat uns selbst dazu gebracht, nochmal neu über unsere eigene Migrationsgeschichte nachzudenken und uns darüber austauschen: was ist anders als bei uns/ unseren Eltern, wie können wir unsere Erfahrungen für die neu hinzugekommenen Frauen nutzbar machen usw.? Was uns auszeichnet: nicht nur unsere Klientel hat sich seit unseren Vereinsanfängen entwickelt, sondern wir Aktiven selbst auch: so haben wir Schulabschlüsse und Berufsausbildungen nachgeholt, alle Hauptamtlichen haben einen FH-Abschluss in Sozialer Arbeit gemacht oder machen ihn gerade. Dies ist besonders zu betonen, weil wir Kinder haben, deren Bildung und Entwicklung uns sehr am Herzen liegen. Wir schaffen alle den Spagat Familie – Arbeit – Ehrenamt und kommen trotzdem noch dazu, uns selbst weiterzuentwickeln, darauf bin ich sehr stolz!

Du bist seit mehr als 10 Jahren Mitglied im AmF. Was bedeutet die Mitgliedschaft für dich?

Ich begleite den Gründungsprozess des AMF seit 2005 und habe 2009 zusammen mit einer anderen Schwester die Klausurtagung mit Gründungsversammlung des AMF in Köln organisiert, ich bin Gründungsmitglied des AMF. Mir war und ist es ein Anliegen, dass man nicht über muslimische Frauen spricht, sondern mit ihnen und dass sie in Diskursen jeglicher Art auf Augenhöhe wahrgenommen werden. In der Zivilgesellschaft ist dafür ein Zusammenschluss nötig, der es uns ermöglicht, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam gegen Diskriminierung zu kämpfen. Wir werden nur organisiert gehört, und genau dafür ist das AMF gut.

Was ist deine Vision für die Zukunft?

Meine Vision für die Zukunft wäre, dass es in Deutschland normal ist, eine bedeckte Muslima im öffentlichen Raum und im Arbeitsleben zu sein und Diskriminierung nicht mehr vorkommt. Dazu kann das AMF sehr viel beitragen. Ich hoffe, dass die derzeitige Rassismusdiskussion auch für muslimische Frauen positive Früchte trägt.

Gibt es etwas Bemerkenswertes, was du aus deiner Arbeit gelernt hast und weitergeben möchtest?

Wir muslimischen Schwestern sind wie katalonische Castellers (Menschen, die die traditionellen Menschenpyramiden bei Festen errichten): jede Generation steht auf den Schultern der davor, die für uns Dinge erkämpft hat, und jede Schwester, die jünger ist, steigt an uns hoch und bildet die Plattform für die nächsten Schwestern.Ich möchte insbesondere den Schwestern, die älter sind als ich, danken, dass sie so viel für uns erreicht haben, meiner Schwesterngeneration sagen, dass sie nicht nachlassen sollen, auch wenn es immer härter wird und sie nur einen Teil ihrer Ziele verwirklichen können, und den ganz jungen Schwestern sagen, dass sie sich unter keinen Umständen ihre Träume nehmen lassen dürfen und dafür kämpfen müssen.

Was ist deiner Meinung nach wichtig zu wissen für das Ehrenamt?

Dazu möchte ich noch sagen, dass Ehrenamt nicht immer Spaß macht, aber dass Aufgaben wie die Buchhaltung, das Schreiben von Anträgen, Einwerben und Abrechnen von Geldern etc. ebenfalls gemacht werden müssen, da sie den „Estrich“ für die Projekte darstellen (ohne Geld etc. keine Angebote für die Zielgruppen) und die Reputation der Organisation an der sauberen Abarbeitung dieser Aufgaben hängt. Diesbezüglich gibt es keine Ferien, sondern nur die intrinsische Motivation der Ausführenden und ihre Selbstdisziplin, alles Aufgaben termingerecht abzuarbeiten. Für Vereine etc. ist es von enormer Wichtigkeit, rechtzeitig in den Nachwuchs zu investieren und für alle Aufgaben entsprechende Nachfolgerinnen aufzubauen, damit diese nicht „sterben“, wenn die jetzige Frauengeneration irgendwann zu alt ist, die anfallenden Aufgaben weiterhin auszuüben.

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