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Forderung nach besserer Förderung von Hilfsangeboten

Forderung nach besserer Förderung von Hilfsangeboten

Anlässlich des Aktionstages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen fordern AmF und BBF eine bessere Finanzierung von Beratungsstellen für von Gewalt betroffenen Frauen.

Mit der Wahl eines neuen Bundestages können auch die Weichen für den Stellenwert von Gleichstellung und Vielfalt in den nächsten Jahren gestellt werden. Die Ausgestaltung liegt bei der zukünftigen Bundesregierung: Welchen Stellenwert wird Gleichstellung haben? Welche Haushaltsmittel werden zur Verfügung stehen? Welche Projekte gefördert?

Gerade an Aktionstagen wie heute wird schmerzhaft offensichtlich, dass in Deutschland noch ein weiter Weg zu gehen ist: Jede vierte Frau* wird mindestens einmal im Leben Opfer von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt. Fast jeden 3. Tag wird eine Frau* von ihrem (Ex)Partner ermordet. Derzeit gibt es keinen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt. Dadurch ist die Finanzierung von Frauenhäusern und Fachberatungsstellen für Land und Kommunen freiwillig und entsprechend unsicher. Die bestehenden Hilfsangebote werden vor allem solchen Frauen nicht gerecht, die von intersektionaler Diskriminierung betroffenen sind: Migrantinnen, Frauen mit Behinderung oder psychischen Beeinträchtigungen und Angehörigen religiöser Minderheiten.

„Gerade Frauen, die Diskriminierungserfahrungen machen, finden schwerer Zugang zu Unterstützung, wenn sie Gewalt erleben,“ sagt Gabriele Boos-Niazy, Vorsitzende des Aktionsbündnis muslimischer Frauen e.V. (AmF) „Die Angst vor Zurückweisung oder zusätzlicher Verletzung durch diskriminierende Stereotypen führt zu einer hohen Hürde Hilfsangebote zu suchen und anzunehmen.“

„Die betroffenen Frauen sprechen mit mir über traumatische Erlebnisse,“ erklärt Sozialarbeiterin Gülhanım Karaduman-Çerkeş. Sie bietet für das von ihr mitgegründete Begegnungs- und Bildungszentrum für Frauen & Familien e.V. (BBF) Beratung bei häuslicher Gewalt. „Um sich zu öffnen, braucht es vor allem Vertrauen. Ein gemeinsamer Glaube oder Migrationshintergrund können hier eine Bindung erleichtern.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Niedrigschwelligkeit von Angeboten: „Es ist ein langer und anstrengender Prozess sich Hilfe zu suchen – und oft auch gefährlich. Da ist es ein KO-Kriterium, wenn es z.B. heißt: Beratung in Türkisch gibt es leider nur Mittwochnachmittag.“ Durch die guten Kontakte mit kommunalen Stellen, der Polizei und innerhalb der migrantischen Community erreicht das BBF, das seine Beratung derzeit komplett ehrenamtlich stemmt, auch Frauen, die sonst keine Hilfe erhalten. „Hier wäre eine viel flächendeckendere Unterstützung für Beratungsstellen und Frauenhäusern notwendig. Der Bedarf ist da und auch Organisationen, die Frauen mit Gewalterfahrungen unterstützen. Für professionelle und einfach zugängliche Hilfsangebote braucht es aber vor allem eins: Eine gesicherte Finanzierung.“