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Tagung Diversität und Gleichstellung

Tagung Diversität und Gleichstellung

Am 25 September fand die Abschlussveranstaltung des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts „Muslimische Frauen für mehr Teilhabe“ statt. Unter dem Titel „Diversität und Gleichstellung – Zukunft oder gelebte Wirklichkeit?“ verbrachten wir einen Tag mit vielen spannenden Vorträgen und Inputs, neuen Perspektiven, regem Austausch, praktischen Tipps und gelebten Beispielen aus der Wirtschaft.

Dr Maia Pflüger, Leiterin des Teams Einwanderungsgesellschaft der Robert Bosch Stiftung eröffnete die Veranstaltung mit einer Rückschau über das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekt Muslimische Frauen für mehr Teilhabe und stellte die zukünftige Ausrichtung der Stiftung vor: Vielfaltsorientiert, respektvoll und offen.

Den Einführungsvortrag hielt Dr. Andrés Nader, Fachreferent für diversitätsorientierte Organisationsentwicklung bei der RAA Berlin. Er gab einen ersten Einblick in die Thematik und stellte den fünfteiligen Ansatz der Diversitätsorientierten Organisationsentwicklung vor. Um Diskriminierung verstehen und gezielt unterbinden zu können, sind zunächst verschiedene Einsichten nötig. Nur so kann der strukturellen Erschwernis von Zugängen zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Wohnen, Freizeit, Gesundheit, etc. entgegengewirkt werden. Auch ist ein nachhaltiges Vorgehen von größter Wichtigkeit, denn nur so kann sich langfristig etwas ändern.

Dr. Ali Gümüsay aus der Abteilung Zukunftsweisende Organisationsformen der Universität Hamburg, sprach über den Zusammenhang von Diversität und Digitalisierung. Bei Digitalisierung geht es um weit mehr als nur ums Programmieren. Das Wechselspiel der Technologie mit den sozialen Aspekten einer Gesellschaft muss aufgearbeitet werden, um das volle Potenzial der Digitalisierung nutzen zu können und nicht unwissentlich existierende Ungleichheiten und Vorurteile zu reproduzieren. Sofern nicht gezielt gegengesteuert wird, sind Daten nicht neutral sondern tendenziös. Mit gravierenden Auswirkungen auf neue Technologien, wie das Beispiel des Autonomen Fahrens zeigt, bei dem eingespeiste Datensätze dazu führen, dass People of Color schlechter erkannt werden. Um eine gleichberechtigte Zukunft anzusteuern, muss hier noch viel passieren.

Im Anschluss gab Natalie Rosenke, Kolumnistin, freiberufliche Künstlerin und Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung einen Input zu den bisher weitestgehend unbeleuchteten Diskriminierungsmechanismen aufgrund des Gewichts. Neben bestürzenden Phänomenen wie einem signifikanten Weight-Pay-Gap (der insbesondere Frauen trifft) und Erfahrungsberichten, die zeigen, dass Gewichtsdiskriminierung schon sehr nah am „Normalgewicht“ beginnt, stellte sie fest, dass vor allem die Reaktion auf diese Form der Diskriminierung problematisch ist: Viele (gut gemeinte) Maßnahmen zielen darauf ab, dicke Menschen zu assimilieren statt sie, so wie sie sind, als gleichberechtigten und sichtbaren Teil in der Gesellschaft zu etablieren.

Nach einer gemütlichen Mittagspause folgten die Best Practice Beispiele aus der Wirtschaft. Die jeweils zehnminütigen Inputs zum Projekt Scoring Girls*, das Mädchen aus allen Bildungsschichten und mit allen Hintergründen ermutigt, technische Berufe zu ergreifen, zur Diversity-Week und anderen diversitätsfördernden Strukturen innerhalb der Firma BOSCH, und zum DGB Netzwerk NeMiA zur Stärkung von Frauen mit Zuwanderungsbiographie werden bald auf unserem YouTube-Kanal erscheinen.

Ebenfalls auf YouTube werden dann die Tipps und Methoden aus dem Hands-On Block verfügbar sein: Ein Online-Kurs von des IQ-Netzwerks, der zur vielfaltsorientierten Personalarbeit weiterbildet, das Trainings-Kit von Ana Hunna, das den Blick und Verständnis für Diversität schult und fördert, und die Handlungshilfe „Vielfaltsbewusster Betrieb“ des RKW Kompetenzzentrum, das eine Orientierung für kleine und mittelständische Unternehmen bietet, die sich im Bereich Diversität erneuern möchten.

Die kompetente und lockere Moderation wurde von Dr. Silke Schmidt (Programmmoderation) und Karina Hagemann (Technische Moderation) übernommen. Sie ermöglichten geschmeidige Übergänge und einen reibungslosen Wechsel zwischen Vorträgen und Break-Out Sessions. Die Möglichkeiten zum Austausch und der Vernetzung in Plenum und Kleingruppen wurden bereitwillig genutzt und die Teilnehmer:innen waren sich einig, inhaltlich und menschlich viel mitgenommen zu haben.